top of page

Nachhaltigkeitsstrategie als Wettbewerbsfaktor: Was der Sustainable Economy Barometer 2026 zeigt

  • Autorenbild: Claus Fesel
    Claus Fesel
  • 6. Mai
  • 4 Min. Lesezeit

Aktualisiert: 9. Mai

Titelblatt der Studie Sustainable Economy Barometer

Es gibt Studien, die bestätigen, was man schon ahnte. Und es gibt Studien, die zeigen, wie weit die Entwicklung bereits vorangeschritten ist — schneller als die öffentliche Debatte vermuten lässt. Der Sustainable Economy Barometer 2026 gehört zur zweiten Kategorie. Befragt wurden 2.500 privatwirtschaftliche Entscheidungstragende in Unternehmen mit mehr als 50 Mitarbeitenden, bundesweit, zwischen März und April 2026. Das Sustainable Economy Barometer ist im Rahmen des Sustainable Economy Summit erhoben worden bzw. wurde auch vor Ort präsentiert. Die Studie wurde von der Sustainable Economy gGmbH in Auftrag gegeben.


Das Ergebnis lässt sich in einem Satz zusammenfassen: Die deutsche Privatwirtschaft hat mehrheitlich verstanden, dass Nachhaltigkeitsstrategie und Wettbewerbsfähigkeit keine Gegensätze sind — sondern dasselbe. Hier geht es zum kompletten Ergebnisbericht.


Nachhaltigkeitsstrategie ist Wettbewerbsfaktor und Standortfaktor — und die Überzeugung wächst

Fast 90 Prozent der Befragten schreiben einer klimaneutralen und nachhaltigen Wirtschaft eine hohe oder sehr hohe Bedeutung für den Wirtschaftsstandort Deutschland zu. Das sind zehn Prozentpunkte mehr als noch in der Vergleichserhebung 2023. Dieser Anstieg ist bemerkenswert — nicht weil er überraschend wäre, sondern weil er zeigt, wie schnell sich eine Überzeugung in der Breite der Unternehmenspraxis verankert.

Nachhaltigkeit ist kein Randthema mehr — sie ist zur Mainstream-Überzeugung in der deutschen Privatwirtschaft geworden.

Zwei Drittel der Befragten sehen nachhaltige Geschäftsmodelle als Treiber für langfristigen Unternehmenserfolg — auch dieser Wert ist gegenüber 2023 um acht Prozentpunkte gestiegen. Und mehr als die Hälfte ist überzeugt: Unternehmen ohne Nachhaltigkeitsstrategie sind langfristig nicht wettbewerbsfähig. Dieser Wert hat sich im Vergleich zum Vorjahr um sechs Prozentpunkte erhöht.

Das sind keine Zahlen aus einer NGO-Befragung oder einem akademischen Umfeld. Das sind privatwirtschaftliche Entscheidungsträgerinnen und Entscheidungsträger — also genau die Menschen, die Investitionen freigeben, Strategien verabschieden und operative Prioritäten setzen.


Unternehmen sehen sich in der Pflicht — und in der Lage

Sieben von zehn Befragten schreiben Unternehmen eine zentrale Rolle beim Erreichen einer klimaneutralen Wirtschaft zu. In Hamburg und Berlin sind es sogar acht von zehn. Das ist ein starkes Signal: Die Bereitschaft zur Verantwortungsübernahme ist da — nicht als Reaktion auf regulatorischen Druck, sondern als strategische Überzeugung.

Was tun die Unternehmen konkret? Am häufigsten genannt werden Effizienzmaßnahmen wie Energieeinsparung (50,5 Prozent), der Umstieg auf erneuerbare Energieträger (38,6 Prozent) und Ressourceneffizienz durch Recycling (37,3 Prozent). Nachhaltigkeitsgovernance — also etwa der Aufbau einer Nachhaltigkeitsstrategie — liegt bei 28,5 Prozent.

Die Lücke zwischen operativen Einzelmaßnahmen und strategischer Nachhaltigkeitsverankerung ist das eigentliche Handlungsfeld für Unternehmen im Mittelstand.

Genau hier liegt aus meiner Beratungspraxis der entscheidende Hebel: Viele Unternehmen tun bereits eine Menge — Energieeinsparung, Fuhrparkumstellung, nachhaltige Beschaffung. Aber diese Maßnahmen bleiben isolierte Projekte, solange keine Nachhaltigkeitsstrategie sie zusammenhält, priorisiert und in die Unternehmensziele einbettet.



Nachhaltigkeitsstrategie und Wettbewerbsfähigkeit: Was Unternehmen wirklich bremst

Hier wird der Barometer besonders aufschlussreich — und politisch brisant. 56,6 Prozent der Befragten halten die wiederkehrende Debatte um eine Verschiebung der Klimaziele für wirtschaftlich schädlich. Und 72,5 Prozent stimmen der Aussage zu, dass rechtliche Unsicherheiten bei Nachhaltigkeitsberichterstattung und Sorgfaltspflichten Investitionsentscheidungen verzögern.

Das ist der eigentliche Befund dieses Barometers: Nicht fehlende Überzeugung bremst den Wandel, sondern fehlende Planungssicherheit. Unternehmen, die in Nachhaltigkeit investieren wollen — und das wollen immer mehr — brauchen verlässliche Rahmenbedingungen. Wer heute nicht weiß, ob die Klimaziele morgen noch gelten, investiert lieber gar nicht.

Investitionshemmnis Nummer eins ist nicht mangelnde Bereitschaft — es ist regulatorische Unklarheit.

Auch 64,1 Prozent der Befragten halten die Kontinuität der Klimaziele bis 2045 für wichtig oder sehr wichtig, gerade mit Blick auf Planungssicherheit. Das ist ein klares Signal an die Politik: Verlässlichkeit ist kein Luxus — sie ist Voraussetzung für unternehmerisches Handeln.


Was Unternehmen von der Politik wollen

Der Barometer fragt auch nach dem gewünschten politischen Instrumentenmix. Die Antworten sind eindeutig und wenig überraschend für alle, die den deutschen Mittelstand kennen: An erster Stelle steht der Abbau klimaschädlicher Subventionen (48,3 Prozent), gefolgt von niedrigerer Besteuerung nachhaltiger Produkte (40,7 Prozent) und der Förderung nachhaltiger Maßnahmen (36,5 Prozent).

Was auffällt: Verpflichtendes Nachhaltigkeitsreporting — also genau das, was die CSRD vorsieht — landet mit 6,4 Prozent ganz am Ende der Liste. Das ist kein Widerspruch zu der hohen Akzeptanz von Nachhaltigkeit insgesamt. Es zeigt vielmehr: Unternehmen wollen Rahmenbedingungen, die nachhaltiges Handeln attraktiver machen — nicht primär mehr Berichtspflichten. [Interner Link: Leistungsseite CSRD-Beratung / Nachhaltigkeitsstrategie]

Bei den technologischen Innovationen, die den Übergang beschleunigen sollen, führen Fortschritte bei erneuerbaren Energien (46 Prozent), gefolgt von Ressourceneffizienz (34,9 Prozent) und dem Einsatz von KI und Digitalisierung (31 Prozent). Das Bild, das sich ergibt, ist das einer Wirtschaft, die technologische Lösungen erwartet — und bereit wäre, in sie zu investieren, wenn die Rahmenbedingungen stimmen.


Was das für die Praxis bedeutet

Der Sustainable Economy Barometer 2026 zeichnet ein Bild, das meine Erfahrung aus der Beratungspraxis täglich bestätigt: Die Bereitschaft ist da. Die strategische Lücke auch.

Für Entscheider im Mittelstand bedeutet das konkret: Die Frage ist nicht mehr "ob" Nachhaltigkeit zur Strategie gehört, sondern "wie" — wie priorisiert man die richtigen Maßnahmen? Wie verknüpft man operative Einzelschritte mit einer kohärenten Nachhaltigkeitsstrategie? Und wie navigiert man durch regulatorische Unsicherheiten, ohne den Handlungsfaden zu verlieren?

Das sind die Fragen, an denen ich in meiner Arbeit ansetze — ob in der Strategieentwicklung, in Workshops mit LEGO® Serious Play® oder in der CSRD-Begleitung. Weil der erste Schritt nicht das perfekte Konzept ist, sondern Klarheit darüber, wo man steht und wo man hinwill.

Den vollständigen Barometer empfehle ich sehr — er liefert eine der bisher belastbarsten Momentaufnahmen zur Haltung der deutschen Privatwirtschaft gegenüber Nachhaltigkeit.

Was erleben ihr in euren Unternehmen — ist die Bereitschaft da, aber die Planungssicherheit fehlt?



FAQ

Was zeigt der Sustainable Economy Barometer 2026? Der Barometer zeigt, dass fast 90 Prozent der befragten privatwirtschaftlichen Entscheidungstragenden Nachhaltigkeit als wichtigen Standortfaktor für Deutschland sehen — zehn Prozentpunkte mehr als 2023. Mehr als die Hälfte ist überzeugt, dass Unternehmen ohne Nachhaltigkeitsstrategie langfristig nicht wettbewerbsfähig sind. Oder eben anders - dass eine Nachhaltigkeitsstrategie ein Wettbewerbsfaktor und Differenzierungsmerkmal im Markt ist.

Was bremst nachhaltige Investitionen in deutschen Unternehmen? Laut Barometer 2026 nicht mangelnde Bereitschaft, sondern regulatorische Unsicherheit: 72,5 Prozent der Befragten stimmen zu, dass rechtliche Unsicherheiten bei Nachhaltigkeitsberichterstattung und Sorgfaltspflichten Investitionsentscheidungen verzögern. 56,6 Prozent halten die politische Debatte um Klimaziel-Verschiebungen für wirtschaftlich schädlich.

Welche Maßnahmen setzen Unternehmen bereits für mehr Nachhaltigkeit um? Am häufigsten umgesetzt werden Energieeffizienzmaßnahmen (50,5 Prozent), der Umstieg auf erneuerbare Energien (38,6 Prozent) und Ressourceneffizienz (37,3 Prozent). Nachhaltigkeitsgovernance und Strategieentwicklung liegen noch bei 28,5 Prozent — hier besteht der größte Nachholbedarf.

 
 
 

Kommentare


IMPULSE

bottom of page