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Bock auf Zukunft – was der Sustainable Economy Summit 2026 mit Udo Lindenberg zu tun hat

  • Autorenbild: Claus Fesel
    Claus Fesel
  • vor 2 Stunden
  • 4 Min. Lesezeit

Udo Lindenberg ist letzte Woche 80 geworden. Ein Grund zum Feiern – und ein willkommener Anlass, an einen seiner Songs zu erinnern: „Wenn Du durchhängst."


Ich musste dabei sofort an Menschen in meinem Netzwerk denken.


Nachhaltigkeitsmanagerinnen und -manager, Beraterinnen, Unternehmer, die sich seit Jahren für eine zukunftsfähige Wirtschaft einsetzen. Und die gerade spüren, wie der Gegenwind zunimmt.

Das Omnibus-Paket der EU-Kommission schleift Berichtspflichten, die mühsam aufgebaut wurden. Die politische Debatte dreht sich manchmal im Kreis. Und dieser Job fühlt sich gelegentlich an wie Radfahren bergauf – gegen den Wind.


Genau in diese Stimmung platzt der Sustainable Economy Summit 2026 mit einem klaren Gegensignal: Es gibt auch andere Geschichten zu erzählen.


Was der Sustainable Economy Summit 2026 ist – und warum er zählt

Der Sustainable Economy Summit, kurz SES, fand am 21. und 22. April 2026 in Berlin statt. Rund 450 Teilnehmende, überwiegend auf C-Level, kamen im AXICA Kongress- und Tagungszentrum zusammen – direkt im politischen Herzen der Hauptstadt. Getragen von einem sektorübergreifenden Bündnis aus sieben progressiven Wirtschaftsverbänden: Bioland, BAUM e.V., BNW Bundesverband Nachhaltige Wirtschaft, Deutsche Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen (DGNB), Gemeinwohl-Ökonomie Deutschland, Klimaschutz-Unternehmen und Mission Wertvoll.


Das Motto: „Rückenwind für die Wirtschaft der Zukunft."


Kein Wunschdenken, sondern Programm. Der Summit versteht sich als Plattform, auf der nachhaltige Wirtschaft nicht erklärt, sondern gezeigt wird. Unternehmen, die bereits vorangehen, treffen auf politische Entscheidende und wissenschaftliche Perspektiven – nicht um abstrakte Zielbilder zu diskutieren, sondern um konkret zu machen, was heute schon gelingt.

Das Zusammenfassungsvideo, das jetzt auf YouTube verfügbar ist, gibt einen echten Eindruck davon, was in diesen zwei Tagen entstanden ist. Ich empfehle es ausdrücklich – als Aufbauspritze für alle, die gerade Rückenwind brauchen.


Die Sätze, die bleiben

Ich war nicht dabei. Das schmerzt – und ich sage das ohne Ironie. Aber das Video macht deutlich, warum der SES zu den wichtigsten Formaten für nachhaltige Wirtschaft in Deutschland gehört.

Ein Satz hätte von mir sein können:

„Wenn wir dieses Narrativ, 'jetzt muss man erst die Wirtschaft retten und dann investieren wir wieder in Nachhaltigkeit' – das ist für mich kompletter Quatsch. Die Wirtschaftlichkeit kommt aus der nachhaltigen Transformation. Genau daraus kommt sie."

Ja. Genau das. Ich sage meinen Klienten seit Jahren dasselbe – aber manchmal braucht es einen Summit, ein Publikum und eine Kamera, damit dieser Satz die Wucht bekommt, die er verdient.

Und noch einer, der mich nicht losgelassen hat:

„Je verrückter die digitale Welt wird mit KI, mit Fakes, desto wertvoller werden echte Menschen, denen man in die Augen gucken kann."

Das ist mehr als ein netter Satz über Networking. Das ist eine Ansage darüber, was Konferenzen wie der SES leisten – und warum sie in einer zunehmend virtualisierten Welt wichtiger werden, nicht unwichtiger.


Was das Sustainable Economy Barometer 2026 sagt

Neben den Impulsen vom Podium liefert der Summit handfestes Datenmaterial: Das Sustainable Economy Barometer 2026, erhoben von Civey unter 2.500 privatwirtschaftlichen Entscheidenden in Unternehmen mit über 50 Mitarbeitenden, kommt zu einem eindeutigen Befund.


Nachhaltigkeit ist für viele Unternehmen in Deutschland längst kein Kostenfaktor mehr, sondern ein strategischer Wettbewerbsvorteil. Die Mehrheit der befragten Unternehmen sieht nachhaltiges Wirtschaften als Treiber zukunftsfähiger Geschäftsmodelle – und als Standortvorteil für Deutschland im internationalen Wettbewerb.

Was fehlt, ist politische Verlässlichkeit. Unternehmen, die bereits transformieren, fordern einen Ordnungsrahmen, der ihre Dynamik nicht bremst, sondern beschleunigt. Das ist keine Überraschung für alle, die nah an der Praxis arbeiten. Aber es ist gut, es in Zahlen zu haben.

Die Barometer-Daten sind frei zugänglich – es lohnt sich, tiefer einzusteigen.

Oder lest auch meinen Blogbeitrag dazu hier:


Naturkapital und Biodiversität: Das unterschätzte Thema

Eines der substanziellsten Themen des Summits war eines, das in vielen Unternehmensberichten noch kaum auftaucht: Naturkapital und Biodiversität.

Jan Plagge von Bioland benannte eine alarmierende Zahl: Der Wert von Naturkapital – also von Ökosystemdienstleistungen wie der Wasserspeicherfähigkeit von Böden oder Bestäubungsleistungen – ist in den vergangenen dreißig Jahren um 40 Prozent gesunken.

Kerstin Erbe von dm brachte das betriebswirtschaftliche Dilemma auf den Punkt: Investitionen in die IT lassen sich abschreiben. Investitionen in Naturprojekte – etwa zum Moorschutz – erhöhen nur die Kosten. Solange das so bleibt, fehlt der ökonomische Anreiz für das Richtige.

Für mich ist das einer der blinden Flecken in der aktuellen CSRD-Debatte. Wir reden viel über Klimaberichterstattung und Scope-3-Emissionen – aber die Bewertung von Naturkapital in Unternehmen steckt noch in den Kinderschuhen. Der SES hat das sichtbar gemacht. Das ist ein wichtiger Schritt.


Corporate Political Responsibility: Unternehmen als Demokratieakteure

Ein weiteres Thema, das mich beschäftigt hat: Corporate Political Responsibility (CPR). Der Begriff klingt sperrig, meint aber etwas Grundlegendes.

Unternehmen sollen nicht nur Verantwortung für ihre ökologischen und sozialen Auswirkungen übernehmen – sondern aktiv Verantwortung für ein demokratisches Miteinander. In Zeiten, in denen Nachhaltigkeit politisch unter Druck gerät und rechte Parteien Zulauf bekommen, wird das zur Unternehmensfrage.


Wie weit diese Verantwortung reicht und wie Unternehmen damit umgehen – das ist keine leichte Debatte. Aber sie wird geführt. Und das ist gut so.


Mein Fazit: Nachhaltigkeit ist kein Konjunkturthema

Der Sustainable Economy Summit 2026 zeigt: Die Modernisierung der deutschen Wirtschaft in Richtung Nachhaltigkeit ist in vollem Gange. Nicht überall, nicht schnell genug – aber sie passiert. Und sie gewinnt dort an Fahrt, wo Wirtschaft, Politik und Wissenschaft nicht aneinander vorbeireden, sondern gemeinsam an Lösungen arbeiten.

Das letzte Bild aus dem Video fasst das besser zusammen als jede Analyse:

„Nach zwei Tagen Summit ist das Energielevel einfach immer noch erstaunlich hoch. Die Unternehmerinnen und Unternehmer haben einfach gezeigt: Sie haben Bock auf Zukunft."

Bock auf Zukunft. Das ist das Gegenteil von Durchhängen. Und genau das brauchen wir gerade.

Für alle, die nicht in Berlin dabei waren: Das Zusammenfassungsvideo des SES ist eine echte Aufbauspritze. Nicht weil alles gut ist. Sondern weil Menschen zusammenkommen, die zeigen, dass es geht.



Und wer mehr möchte: Auf den Kanälen des Sustainable Economy Summit gibt es Mitschnitte, Barometer-Daten und weiteres Material. Es lohnt sich.

 
 
 

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